Schnullerkette selber machen: Anleitung mit den Maßen aus der DIN EN 12586
Schnullerkette selber machen: Anleitung mit den Maßen aus der DIN EN 12586
Eine Schnullerkette selbst zu machen dauert keine zwanzig Minuten. Der Teil, der länger dauert, ist der davor: verstehen, welche Maße gelten und warum. Denn eine Schnullerkette ist kein Schmuckstück, sondern ein Produkt mit einer eigenen Sicherheitsnorm — der DIN EN 12586. Wer für sich selbst bastelt, muss sie nicht einhalten. Wer sie einhält, hat trotzdem etwas davon: Die Maße darin sind nicht willkürlich, sie kommen aus Unfallauswertungen.
Diese Anleitung geht durch Material, Maße, Arbeitsschritte und die Prüfung am Ende. Sie ist für Menschen geschrieben, die zum ersten Mal fädeln.
Was du brauchst
- Kordel — Satinkordel oder gewachstes Band, meist 2 mm stark, passend zur Bohrung der Perlen.
- Perlen — Rundperlen aus Silikon oder Holz für die Länge, ein bis zwei Motivperlen für den Blickfang, optional Silikonbuchstaben für den Namen.
- Clip — Holz- oder Kunststoffclip mit Metallfeder, ohne scharfe Kanten.
- Ring oder Schlaufe — für den Schnuller. Ein Silikonring ist weicher als ein Metallring und schont die Schnullerlasche.
- Fädelhilfe — eine Fädelnadel oder ein Stück steifer Draht. Ohne geht es auch, dauert aber dreimal so lang.
- Feuerzeug — zum Versiegeln der Kordelenden, damit sie nicht ausfransen.
Die Maße, auf die es ankommt
22 Zentimeter Gesamtlänge
Das ist die wichtigste Zahl. Die DIN EN 12586 begrenzt die Länge eines Schnullerhalters auf 22 cm, gemessen im gestreckten Zustand. Der Grund ist unmittelbar: Eine Kette, die länger ist, kann sich um den Hals eines Kindes legen. Wer eine längere Kette verkauft, bringt ein nicht verkehrsfähiges Produkt in Umlauf.
Für dich beim Fädeln heißt das: Miss vom inneren Rand des Clips bis zum Ende des Rings. Nicht die Kordel allein, nicht ohne Clip — die fertige Kette im Ganzen.
Bohrung und Kordelstärke
Die meisten Silikonperlen haben eine waagerechte Bohrung von 2 mm. Eine 2-mm-Kordel passt hindurch und sitzt straff. Nimmst du eine dünnere Kordel, rutschen die Perlen — die Kette wirkt lose und die Knoten tragen die ganze Last. Nimmst du eine dickere, musst du ziehen, und beim Ziehen weitest du die Bohrung dauerhaft.
Kleinteile
Alles, was sich lösen kann, muss groß genug bleiben, um nicht verschluckt zu werden. Perlen unter 10 mm sind für Schnullerketten deshalb ungeeignet, auch wenn sie hübsch aussehen. Silikonbuchstaben in 10 mm liegen an dieser Grenze — sie sind für Namensketten üblich, sitzen aber nur sicher, wenn die Kordel straff ist und die Endknoten halten.
Schritt für Schritt
1. Länge planen, bevor du fädelst
Leg die Perlen erst trocken auf den Tisch, in der Reihenfolge, die du haben willst. Miss die Reihe aus und rechne Clip und Ring dazu. Erst wenn du unter 22 cm liegst, greifst du zur Kordel. Das erspart das Auffädeln in umgekehrter Richtung, wenn es am Ende zu lang war.
Ein Anhaltswert: Eine große Motivperle mit 30 mm plus acht Rundperlen à 12 mm ergibt rund 13 cm. Mit Clip und Ring landest du bei etwa 19 cm — das passt.
2. Kordel zuschneiden und versiegeln
Schneide großzügig, etwa 15 cm länger als die geplante Kette. Halte die Enden kurz über eine Flamme, bis die Fasern verschmelzen. Nicht in die Flamme halten — daneben, sonst wird das Ende schwarz und hart. Ein versiegeltes Ende geht durch jede Perle.
3. Clip anschlagen
Die Kordel doppelt legen, die Schlaufe durch die Öse des Clips ziehen, die beiden Enden durch die Schlaufe führen und festziehen. Dieser Knoten — ein Ankerstich — hält besser als jeder Knoten, den du daneben legst, und er lässt sich straff ziehen, ohne dass die Kordel bricht.
4. Perlen auffädeln
Beide Kordelenden gemeinsam durch die Perlen führen. Fädle von der Clip-Seite aus, damit die Motivperle dort landet, wo du sie geplant hast. Schieb die Perlen nach jedem Stück fest zusammen — Lücken machen die Kette länger, als du gerechnet hast.
5. Ring befestigen und abschließen
Die Enden durch den Ring führen, zurück durch die letzte Perle stecken und dort verknoten. Der Knoten verschwindet in der Perle und liegt nicht offen. Reste kurz abschneiden und wieder versiegeln.
Die Prüfung, die du nicht überspringen solltest
Nimm die fertige Kette an beide Enden und zieh kräftig auseinander. Das ist keine Symbolhandlung, sondern die Prüfung, die auch die Norm vorsieht: Ein Schnullerhalter muss einer Zugkraft standhalten, ohne sich in Einzelteile zu zerlegen. Wenn dabei eine Perle wandert oder ein Knoten nachgibt, ist die Kette nicht fertig — dann muss sie noch einmal auf.
Wiederhole diesen Test vor jedem Gebrauch, nicht nur einmal am Anfang. Silikon und Kordel arbeiten, und ein Knoten, der monatelang gehalten hat, kann sich lösen.
Häufige Fehler
Die Kette wird zu lang
Der mit Abstand häufigste. Er entsteht fast immer dadurch, dass Clip und Ring beim Planen vergessen werden. Beide zusammen machen schnell 5 bis 6 cm aus.
Zwei große Motive nebeneinander
Sieht auf dem Tisch gut aus und wird an der Kleidung schwer. Eine Kette, die zieht, wird von Kindern eher abgerissen. Ein großes Motiv, der Rest schlicht.
Nachträglich verlängern
Wenn die Kette zu kurz wirkt, ist die Versuchung groß, ein Stück Band anzusetzen. Genau das darf nicht passieren. Eine verlängerte Kette ist kein Schnullerhalter mehr, sondern eine Schlinge. Lieber neu fädeln.
An Schnüren oder Bändern befestigen
Weder an Gardinenschnüren noch an Kapuzenbändern, Mobiles oder Gitterbetten. Es besteht Strangulationsgefahr. Der Clip gehört an die Kleidung, sonst nirgendwohin.
Pflege
Silikonperlen lassen sich feucht abwischen und vertragen milde Seife. In die Spülmaschine gehören sie nicht — die Hitze macht sie über die Zeit spröde. Holzperlen dürfen gar nicht in Wasser eingelegt werden: Sie quellen auf und werden rau, und rohes Holz ohne Lack nimmt Feuchtigkeit sofort auf. Abwischen und trocknen lassen genügt.
Kordeln altern. Nach ein paar Monaten täglicher Nutzung sollte eine Kette ersetzt werden, auch wenn sie noch heil aussieht.
Material, das die Anforderungen erfüllt
Silikonperlen sollten der DIN EN 71-3 entsprechen — der Norm für die Migration bestimmter Elemente aus Spielzeug. Sie regelt, wie viel von Stoffen wie Blei, Cadmium oder Chrom aus einem Material austreten darf, wenn ein Kind daran nuckelt. Für alles, was im Mund landen kann, ist das die entscheidende Prüfung. Holzperlen sollten roh und unbehandelt sein oder mit speichelfestem Lack versehen.
Alle Perlen in unserem Sortiment sind BPA-frei und nach DIN EN 71-3 geprüft. Die Bohrung liegt bei 2 mm, waagerecht.
Häufige Fragen
Darf ich selbstgemachte Schnullerketten verkaufen?
Nur, wenn sie der DIN EN 12586 entsprechen und du die Pflichten als Hersteller erfüllst — dazu gehören unter anderem Warnhinweise, deine Anschrift auf dem Produkt und eine Konformitätsbewertung. Für den Eigenbedarf und zum Verschenken im Familienkreis gilt das nicht. Das ist keine Rechtsberatung; bei ernsthaften Verkaufsabsichten lohnt sich fachlicher Rat.
Wie viele Perlen brauche ich für eine Kette?
Bei 12-mm-Rundperlen und einer Motivperle sind es typischerweise acht bis zwölf Rundperlen. Bei Namensketten kommt pro Buchstabe rund 1 cm dazu.
Welche Kordel ist die richtige?
Eine Satinkordel mit 2 mm Stärke passt zu Perlen mit 2-mm-Bohrung und lässt sich gut versiegeln. Gewachstes Band hält ähnlich gut und rutscht weniger.
Kann ich Holz und Silikon mischen?
Ja, solange die Bohrungen gleich groß sind. Sonst sitzt die Kordel an einer Stelle stramm und an der anderen locker.
